Interview mit Grit Oberländer

Chuck vom Reinholdsberg, VDH-Deutscher Meister IPO-FH Quelle: http://www.bvws.info/

Hallo Grit, herzlichen Glückwunsch nochmal zu deinem großartigen Erfolg bei der VDH FH. Wie geht es dir mittlerweile damit?

Ich würde sagen, genauso wie vorher. Aber ein paar lustige Sprüche aus dem Verein muss man schon abhalten. Also ein paar Späßchen, wie „Oh, der Meister kommt.“, wenn ich den Platz betrete.

Erzähl‘ uns doch bitte, wie die Meisterschaft abgelaufen ist?

Wir sind Donnerstag angereist. Freitag Chipkontrolle, Auslosung. Wir hatten Sonnabendfrüh und Sonntagmittag gezogen. Ablauf und Zeitmanagement hat super geklappt. Sonnabendfrüh hatten wir einen groben Schwarzackerboden. Durch Fehler des Fährtenlegers, mussten wir eine Ersatzfährte suchen. Aber ich hatte natürlich ein bisschen Bedenken, dass Chuck vier Stunden später nochmal so eine schwere Fährte überhaupt konditionell schafft. Weil er schon so viel gesucht hatte und das war echt kräftezehrend. Aber das hat er sehr gut gemeistert. Die ganzen Bedingungen waren für alle Beteiligten sehr anspruchsvoll. Am Sonntag habe ich dann auch schon meinen Mannschaftsführer, Jens Richter, verrückt gemacht. Ich sagte zu ihm, wenn ich wieder Schwarzacker im Frost ziehe dann wird das nichts. Aber da war ich wohl zu pessimistisch. Die Fährte war gut gelegt und die ganze Sache ist mit einem „Vorzüglich - 97 Punkte“ für uns ausgegangen. Das war dann natürlich super für uns. So ging der Sonntag dann vorbei. 16 Uhr noch die Siegerehrung.

Wie bereitest du dich auf eine solche Prüfung vor bzw. wie sieht dein Training aus?

Vor so einer großen Prüfung oder Meisterschaft versuche ich, mich schon intensiver vorzubereiten. Bei einer großen Prüfung versuche ich, vier Wochen vorher ganz strukturiert zu trainieren. Ich nehme auch meinen Terminplaner und versuche, mir 3-4mal die Woche ein Fährtentraining direkt einzutragen. Damit ich mir diese Tage auch freihalte. Und zwischendurch kommen dann spontan nochmal so Fünfminuteneinheiten Gegenstandsarbeit. Vor der VDH bin ich dann ein bisschen nervöser geworden und habe zwei Sportfreunde angesprochen, ob die mir ein- bis zweimal die Woche eine Fährte legen können. Das hat gut geklappt und ich habe selbst am Wochenende mit meinem Mann noch zwei Fährten gelegt. Und das ist für meinen Hund eigentlich ausreichend.

Was unterscheidet euer Training bzw. was macht es besonders?

Besonders weiß ich nicht. Aber ich denke, man muss ein bisschen Fingerspitzengefühl entwickeln, um seinen Hund auch mal an die Leistungsgrenzen heranzuführen, ohne ihn dabei zu überfordern. Ich mache viel Fährtengeländewechsel. Ich konzentriere mich auf eine Sache speziell. Zudem muss man manchmal einen kleinen Misserfolg einstecken können. Das klingt in der Theorie immer leicht. In der Praxis ist es definitiv schwerer. Ich will natürlich nicht, dass der Hund einen Abbruch hat. Aber das passiert mir auch. Damit es einen Trainingsfortschritt gibt, kann es auch mal zu einem Konflikt kommen. Aber wie man diesen überwindet, dazu gehört Fingerspitzengefühl. Das muss man entwickeln für seinen Hund. Und dafür muss man versuchen, seinen Hund zu kennen.

Findest du, dass du und dein Hund Chuck vom Reinholdsberg ein besonders gutes Team seid?

Wir sind das sicherlich nicht allein. Ohne Team geht es im FH- Sport nicht. Ein Hund der unter Stress steht oder Konflikte hat, der wird unter schwierigen Bedingungen nie selbstsicher eine schwere Fährte ausarbeiten. Aber jeder hat auch mal Pech und der Hund kann auch einfach nicht bei der Sache sein und dann gehen sie z.B. in den Verleiter. Manchmal ist das auch eine Phase, die aus dem Nichts zu kommen scheint, dass kann jedem passieren.

Was macht die Besonderheit eurer Beziehung aus?

Ich bin sehr sensibilisiert auf die Befindlichkeiten meines Hundes. Ich versuche, ihm wirklich optimale Bedingungen auch im Alltag zu schaffen. Und er ist auch ein sehr sensibler Hund, der mir alles recht machen will.

Am 12. April ist es soweit: Du fährst zur FCI-Meisterschaft in die Slowakei und vertrittst dort den VDH. Bist du schon aufgeregt?

Das kommt sicherlich noch. Bis jetzt noch nicht. Ich hoffe, dass wir gesund bleiben. Dass das Training läuft und dann muss das Wetter auch besser werden. Das hat uns zurückgeworfen. Solange Schnee liegt, ist das Blödsinn, Fährten zu legen. Bei der FCI werden wir vermutlich keinen Schnee haben. Mir fehlt jetzt ein bisschen die Zeit, das optimal zu machen. Da es nur noch knappe drei Wochen sind. Aber ansonsten versuche ich, mich auf meine Aufgabe zu konzentrieren und alles andere auszublenden. Natürlich werden wir versuchen, unser Bestes zu geben. Wir wollen niemanden enttäuschen. Man baut sich schon ein bisschen Druck auf.

Wie kommst du eigentlich nach Topfou?

Das sind so etwa 900 km von uns. Wir fahren mit unserem Auto. Der Mannschaftsführer hat schon ein Hotel in Polen für die erste Übernachtung organisiert. Von dem Hotel aus geht es dann mit der gesamten Mannschaft weiter bis in die Slowakei. Die Anderen, die da mitfahren, sind schon erfahrene Hasen. Die kennen sich da schon aus. Da sind wir die Neulinge.

Wer begleitet dich zu diesem Event? Wie sieht deine Familie deine Leidenschaft für den Fährtenhundesport?

Mein Mann fährt mit. Mein „Wochenendfährtenleger“ sozusagen. [Lacht] Meine Familie hat gelernt, mein Interesse zu teilen. Mein Mann musste da reinwachsen. Aber er ist wirklich vom Laien zum Fährtenleger aufgestiegen und hat mir schon oft geholfen, eine Fährte zu legen. Perfekte Fährten sind ohnehin manchmal zu einfach. Weil man auch auf einer Prüfung mit allem rechnen muss. Bei meiner ersten Fährte ist noch ein Sparziergänger mit Hund darüber geflitzt. Aber das hat den Hund überhaupt nicht gestört. Man sollte alles trainieren. Der Hund zählt die Schritte ohnehin nicht mit.

Glaubst du, dass ihr den Erfolg von der VDH auf der FCI-Meisterschaft wiederholen könnt?

Ach, damit rechne ich jetzt nicht. Es sind so viele Profis dabei und es wäre zu vermessen, mit irgendetwas zu spekulieren. Ich hatte mit dem Erfolg auf der VDH nicht gerechnet. Da wäre ich total verrückt, wenn ich sagen würde, ich rechne bei der FCI-Weltmeisterschaft mit irgendetwas. Ich will jetzt nur gut trainieren, damit ich den Hund in einer ordentlichen Form vorgestellt bekomme. Das ist mein Ziel. Ich hoffe, der Hund sucht ordentlich. Wenn mir das gelingt, ist der Rest auch ein bisschen Glück. Das Wichtigste für mich ist, dass mein Hund in Form ist und wir uns gut präsentieren. Alles andere ist dann noch schönes Beiwerk. Ich will mich dort ganz auf uns konzentrieren. In erster Linie ist es ein Erlebnis und in jedem Fall sind wir danach ein paar Erfahrungen reicher.

Gibt es jemanden, dem du hier an der Stelle nochmal deinen Dank ausdrücken möchtest? Oder möchtest du noch etwas anderes los werden zum Abschluss.

Ich bedanke mich natürlich bei den Sportfreunden, die mich vor VDH mit Fährtelegen unterstützt haben. Das war ganz lieb. Das hat mir natürlich auch unwahrscheinlich geholfen. Auch ohne die Organisatoren der verschiedenen Veranstaltungen würde es nicht gehen. Die ganze Arbeit macht sich nicht von alleine. Die Fährtenleger müssen auch oft große Herausforderungen meistern, gerade bei widrigen Bedingungen. Außerdem gilt mein Dank auch den Landwirten, die mich ab und an auf ihre Felder lassen. Es ist wichtig für den Sport, dass es da weiterhin Kooperationen gibt.

Vielen Dank für deine Zeit und deine Bereitschaft zu diesem Interview und viel Erfolg bei der Weltmeisterschaft.

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